Die Geschichte Kammlachs

Kammlach liegt ca. 7 km westlich von Mindelheim im Tal des gleichnamigen Baches, der beide Ortsteile durchfließt.
Erstmals wird Kammlach im Jahre 1167 erwähnt, als der Ottobeurer Abt Isingrim der Pfarrei eine Reliquie schenkte. Die Entstehungszeit Kammlachs liegt im dunklen; zwei Silexklingen aus der Jungsteinzeit bei Oberkammlach, eine Klinge aus der Mittelsteinzeit bei Unterkammlach, drei hallstattzeitliche Grabhügel bei Kirchstetten und die 1512 genannten Lechbühläcker aus dem gleichen Zeitraum bei Unterkammlach deuten jedoch auf frühes Leben im Raum der Kammlach hin.
Der Name "Kammlach" ist keltischen Ursprungs und bedeutet krümmungsreicher, dunkler Bach.
Bereits im 13. Jahrhundert war Kammlach Bestandteil des Herrschaftsgebietes der Herren von Mindelberg, als deren Dienstmannen 1277 als Ritter von Kammlach auftraten.
Bis zum 14. Jahrhundert siegelten die Ritter von Kammlach noch mit dem Siegel ihrer Mindelberger Herren, doch bereits 1334 erscheint beim Verkauf eines Hofes in Salgen erstmals ihre Wappenfigur, ein schwarzer Roßkamm, als Siegel.
1800 bestand Oberkammlach aus 69 Anwesen, hinzu kamen noch zwölf freieigene Güter, Gemeindeschmiede, Kirche, Pfarrhaus, Benefiziatenhaus, Mesnerhaus und St.-Josefskapelle. Unterkammlach bestand zu dieser Zeit aus 81 Anwesen.
Bei der Gemeindebildung 1818 wurden die Siedlungen Höllberg, Kirchstetten, Rufen und Wideregg zur Gemeinde Oberkammlach geschlagen. St. Johann, Eichelgarten und die erst nach 1820 als Ortsteile erscheinenden Siedlungen Auf der Dürren und St. Sebastian der Gemeinde Unterkammlach zugewiesen.
Um 1632 raffte die Pest in Oberkammlach mehr als die Hälfte der Einwohnerschaft hinweg. In Unterkammlach starben ausschließlich die Bewohner des rechts der Kammel liegenden Ortsteils am Schwarzen Tod. Die Opfer der Seuche wurden auf dem Pestfriedhof bestattet. Hier errichteten die Kammlacher 1635/36 eine Kapelle, die dem heiligen Sebastian, dem Helfer aus der Pestnot, geweihte wurde.
Als "le massacre de Cammlac" ging eine Schlacht in die französische Geschichtsschreibung ein, die am 13.08.1796 zwischen 12000 königstreuen und 30000 republikanischen Franzosen hier ausgetragen worden war. Bei dem blutigen Gemetzel an der Brücke in Oberkammlach und auf der Batzenwiese starben auf beiden Seiten etwa 1200 Menschen. Gedenktafeln in der Oberkammalcher Kirche, an der St.-Josefskapelle und am Gasthof "Schwanen" sowie der 1976 bei der Josefskapelle aufgestellte Gedenkstein und das 1884 errichtete sogenannte Franzosenkreuz an der Batzenwiese erinnern noch an das furchtbare Geschehen.
In den beiden Weltkriegen hatte Oberkammlach 68 Tote und 15 Vermisste, Unterkammalch 43 Tote und 21 Vermisste zu beklagen. Der Einmarsch der amerikanischen Verbände am 26.04.1945 verlief dagegen ohne Blutvergießen.
Nach dem zweiten Weltkrieg wuchs die Einwohnerzahl von 1180 (1939) auf 1717 (1959). Damit Verbunden war eine rege Bautätigkeit in den 50er und 60er Jahren. Zurückgegangen ist dagegen etwa im gleichen Zeitraum die Anzahl der landwirtschaftlichen Anwesen.
Die Pfarrei Kammlach weist ein hohes Alter auf, wird sie doch bereits 1167 im Zusammenhang mit der Isingrimschen Reliquienschenkung erwähnt. Die Pfarrei bestand bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts aus der Pfarrkirche Oberkammalch und der Filialkirche Unterkammlach. Erst 1952 wurde Unterkammlach zur Expositur und am 25.01.1961 zur Pfarrei erhoben.